Archive for April 2015

 
 

Vagabunden um den Hirzensprung

Anlässlich der Recherche zu Doazmol Band 6 über die Berggänger damals im Alpstein entdeckten wir in den historischen Reisebeschrieben einige Passagen zu den Regionen im Rheintal. Eine weitere Kostprobe:

(Textauszug gefunden in „Archiv kleiner zerstreuter Reisebeschreibungen durch merkwürdige Gegenden der Schweiz“, Zweyter Band, 1802, St. Gallen Huberische Buchhandlung)

Von Kobelwies aus nach dem Hirzensprung, kamen wir zuerst durch frucht- und gemüsereiche Felder, man geht auf dem Fusssteige von dort, fast durch einen ländlichen Garten, zu dem andern fort, und so sehr uns zuvor die Gebürg-Gegenden angenehm gewesen waren, so sehr ergötzte uns jetzt dieser Gang in die Tiefe.

In der Gegend des Hirzensprungs, der etwas über 100 Schritte lang und an manchen Orten auch wohl zwischen 10 und 11 Schritte breit ist, sahen wir zuerst einige von den herumziehenden Vagabunden Familien, welche unter freyem Himmel ihre Kost zubereiteten, und eben nicht das Gepräge von ehrlichen Leuten hatten.
Sie waren in einer Höhlung gelagert, der Dampf ihrer Feuer stieg an mehreren Orten hoch empor, ihre Kinder getrauten sich nicht, wahrscheinlich aus Furcht vor einem grossen Hunde, uns anzubetteln, sondern wichen mit scheuen Blicken zurück. Von den Alten kam nur hie und da ein Kopf über den Rand der Erde hervor, der nach uns hinsah. Mehr als 6 dergleichen herumstreifende Karavannen, haben wir auf dem Wege, zwischen hier und Sargans angetroffen.

Unbegreiflich hat es uns geschienen, wie man dieses in so kultivierten Ländern, als jene Herrschaften sind, dulden möge. Es ist freylich wahr, dass die Vielherrschaft dergleichen heimathlosen Leuten einigen Vorschuss leistet, allein da doch so aufgeklärte Kantone hieran mit Theil haben; so sollte man hoffen, dass die Sicherheit in jenen Gegenden besser aufrecht erhalten würde; denn wirklich haben wir darüber klagen hören, dass sogar nach Leuten geschossen worden ist, und wir sind selbst gewarnet worden, uns nicht in jenen Gegenden zu verweilen oder unser Nachtquartier in denselben zu nehmen.

“Damals im Alpstein” (Doazmol Band 6) erscheint Ende Juni 2015 und kann bereits jetzt gerne vorbestellt werden. Der hier präsentierte Text ist nicht im Buch enthalten.

Kriechend in die Kristallhöhle

Anlässlich der Recherche zu Doazmol Band 6 über die Berggänger damals im Alpstein entdeckten wir in den historischen Reisebeschrieben einige Passagen zu den Regionen im Rheintal. Eine weitere Kostprobe:

(Textauszug gefunden in „Archiv kleiner zerstreuter Reisebeschreibungen durch merkwürdige Gegenden der Schweiz“, Zweyter Band, 1802, St. Gallen Huberische Buchhandlung)

Auf wiesigem Grund kamen wir nun immer mehr abwärts, nach einem Fichten-Wald, an dessen Ende die bekannte Crystallhöhle liegt. Wir standen im Vordergrunde derselben, und berathschlagten, auf welche Weise wir wol Feuer bekommen könnten, um den dunkeln Schlund zu beleuchten, durch welchen wir hinabwollten.
Auf einmal hörten wir von unten herauf ein dumpfes Geräusch, es kam immer näher, und endlich schlüpfte der Höhlung ein kriechender Mann mit einem kleinen Licht, welcher seit mehreren Stunden unten gewesen, und verschiedene Crystalle zusammengesucht hatte.
Kein glücklicherer Zufall hätte uns begegnen können; wir baten ihn den Weg noch einmal anzutreten, über 30 Schritte lang krochen wir ihm rücklings nach:
Wir standen nun in einem nicht gar grossen Gewölbe, neben unsern Füssen rauschte ein kleines Wasser, welches aus einer tiefern Wölbung hervor kam, wir schritten in dieselbe hinein; hie und da blitzte beym Schimmer des Lichts ein kleiner Crystall, es war indessen nicht ganz das, was unsere Phantasie sich davon vorgebildet hatte. Die Tropfsteine aus Mondmilch, welche man weiter hinten findet, reizten unsere Neugierde eben so wenig, zumahlen, da unser Beleuchter für die Kürze seines Lichtes fürchtete; wir besuchten daher nach kurzem Aufenthalt, den Tag wieder, ob wir gleich uns überzeugten, dass ein Mineralog vielleicht manches, seiner näheren Untersuchung würdiges, in dem hintern Gange, der nach einiger Meinung noch sehr lang seyn soll, finden würde.

“Damals im Alpstein” (Doazmol Band 6) erscheint Ende Juni 2015 und kann bereits jetzt gerne vorbestellt werden. Der hier präsentierte Text ist nicht im Buch enthalten, stattdessen jedoch die begeisterte (und detailliertere) Schilderung eines anderen Autoren, welcher die Kristallhöhle unter Führung des damaligen Wirtes und Bademeisters von Kobelwiesbad unternahm. (Textauszug aus demselben Buch)

Tätowierte Weiber

Anlässlich der Recherche zu Doazmol Band 6 über die Berggänger damals im Alpstein entdeckten wir in den historischen Reisebeschrieben einige Passagen zu den Regionen im Rheintal. Eine weitere Kostprobe:
(Textauszug gefunden in „Schilderung des Gebirgsvolkes“. Johann Gottfried Ebel, Pet. Phil. Wolfische Buchhandlung, Leipzig 1802)

„Mit dem engen Pass Hirzensprung hören die zerbrochenen Felsenhügel auf, und hier tritt man wieder in das flache breite Thal. Dieser ganze Distrikt von Haard bis hinter dem Dorfe Rüti ist der grösste, aber der unfruchtbarste des ganzen Rheintals; Buchwaldungen bedecken die Bergseiten und grosse Weiden die Thalfläche am Rhein.
Viele Weiber, welche ich in diesem Grenzbezirk sah, hatten auf dem linken Arm schwarze Zeichnungen, welche meistens ein Kreuz und Kleeblatt vorstellen. Der Griffel, womit sie gemacht werden, ist eine Nadel; das beliebige Zeichen wird hiermit in die Haut eingestochen und dann mit Schiesspulver tüchtig gerieben, welches aus jedem blutigen Nadelstich einen schwarzen Punkt bildet, der nie wieder verlischt.
Diese Sitte ist erst nach der Reformation entstanden und hat seinen Ursprung nicht in einer indianischen Verzierungsliebe des Körpers, sondern lediglich in dem mönchischen Geist des unduldsamen Papism, welcher jedes Glied der allein seligmachenden Kirche selbst nach dem Tode an einem körperlichen Zeichen erkennen und von den Ketzern unterscheiden wollte. Die Einwohner des Oberrieder Bezirks sind meistens katholisch.“

“Damals im Alpstein” (Doazmol Band 6) erscheint Ende Juni 2015 und kann bereits jetzt gerne vorbestellt werden. Der hier präsentierte Text ist nicht im Buch enthalten.

Ziegenhirten

Anlässlich der Recherche zu Doazmol Band 6 über die Berggänger damals im Alpstein entdeckten wir in den historischen Reisebeschrieben einige Passagen zur Region Werdenberg. Hier eine erste Kostprobe:
(Textauszug gefunden in „Beschreibung der schweizerischen Alpen- und Landwirthschaft“. Johann Rudolf Steinmüller, Steinerische Buchhandlung Winterthur, 1804)

„Einzig auf einer Alp der Gemeinde Gambs hält man des Sommers eine Ziegenheerde, um Käse von ihrer Milch zu kochen.
In allen übrigen Dörfern, Fontnas ausgenommen, hat man grosse gemeinsame Ziegenbehirtschaften, die von einem Hirten alle Morgen auf die Weide getrieben, und an jedem Abend wieder zurückgebracht werden. Vorzüglich die ärmere Volksklasse, die keine Kühe vermag, hält an ihrer Statt Ziegen, und die Milch derselben wird meistens überall zum Kaffe benutzt.
Neben dem allgemein bekannten Schaden, den diese Thiere in den Waldungen anrichten, beschädigen sie auch hin und wieder zahme junge Bäumchen im Thale, indem sie bisweilen, ungeachtet aller Vorsicht, sich denselben zu bemächtigen Wissen.“

“Damals im Alpstein” (Doazmol Band 6) erscheint Ende Juni 2015 und kann bereits jetzt gerne vorbestellt werden. Der hier präsentierte Text ist nicht im Buch enthalten, stattdessen jedoch die herrliche Schilderung eines damaligen Geissbuben über seine Erlebnisse. (dreiseitiger Textauszug aus „Lebensgeschichte und Natürliche Ebentheuer des Armen Mannes im Tockenburg“ von Ulrich Bräker, hrsg. von H. H. Füssli. Zürich bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie 1789)

Damals im Alpstein

Dieser Beitrag wurde in der Zwischenzeit aktualisiert:

Doazmol Band 6 ist fast fertig, erscheint gegen Ende Juni und handelt von den Berggängern damals im wunderschönen Alpstein. Ca. 144 148 Seiten, Format A4, schwarz-weiss Druck, Ringbindung. Eine Sammlung herrlicher historischer Texte und von ca. 160 170 alten Bildern. Kosten voraussichtlich CHF 30 35 Franken.

Bitte vorbestellen und weitersagen.

Hier Entwurf der Titelseite:
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